Ev. Domfriedhof an der Liesenstraße

Im Jahr 1830 erwarb die Gemeinde der Oberpfarr- und Domkirche die Fläche des heutigen Domfriedhofs in der Liesenstraße, der den bisherigen Domkirchhof am Alexanderplatz ablöste.

Mit einer Fläche von rund einem Hektar ist er der kleinste von insgesamt vier Friedhöfen an der Liesenstraße. Aufgrund seiner besonderen Vergangenheit zählt er jedoch zu den bedeutendsten Zeugnissen der Berliner Stadtgeschichte.

Mit dem Mauerbau im Jahr 1961 lag er plötzlich im Grenzgebiet des geteilten Berlins. Der ursprüngliche Eingang des Friedhofs wurde verschlossen, und an einer kleinen Hinterpforte saß Tag und Nacht ein Wachmann, der den Angehörigen nur unter strengen Auflagen Zutritt gewährte. Mit der Schaffung des Todesstreifens wurden zudem große Teile des Domfriedhofs eingeebnet. Einige der dabei zerstörten Grabsteine wurden für den Bau des gepflasterten Patrouillenwegs genutzt.

Die Gemeinde selbst beschreibt die Zeit der Berliner Mauer als eine Art „zwangsverordneten Dornröschenschlaf“, der dem Friedhof bis heute seine einzigartige Atmosphäre verleiht.

Inzwischen erinnert ein naturbelassener Grünstreifen an die ehemalige Grenzanlage. Über eine Länge von mehreren hundert Metern führt er vom Domfriedhof über die benachbarten Friedhöfe bis zur S-Bahn-Trasse. Die in diesem Biotop ansässigen Pflanzen bilden heute eine wichtige Lebensgrundlage für bedrohte Tierarten wie die Blauflügelige Ödlandschrecke oder den Kleinen Feuerfalter.

Trotz der weitreichenden Zerstörung durch den Bau der Grenzanlagen befinden sich auf dem Friedhof noch immer historische Grabstätten aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Dazu zählen auch etwa 50 kunstvoll gestaltete Wandgräber, die in die umgebenden Friedhofsmauern eingearbeitet wurden. Erhalten geblieben ist auch die im neugotischen Stil erbaute Friedhofskapelle, die nach Plänen des Architekten Schwarzkopff errichtet wurde und heute wieder für Trauerfeiern genutzt wird.

Ein buchstäblicher Blickfang ist das sieben Meter hohe ehemalige Kuppelkreuz des Berliner Doms. Wegen Rostschäden musste es vom Dach der Kirche entfernt werden und fand auf dem Domfriedhof ein neues Zuhause.

Der kleine Domfriedhof ist - auch mit seinen bunten Bänken und schönen Staudenpflanzungen im hinteren Bereich des Friedhofs - eine Oase in der Stadt.

P.S.: Für alle, die mehr über den Domfriedhof erfahren wollen, haben wir noch einen ganz besonderen Veranstaltungstipp: Am 13. September 2026 findet der diesjährige Tag des Friedhofs auf dem ev. Domfriedhof an der Liesenstraße statt. Mehr Infos dazu gibt’s hier.

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